Tapas, Rioja-Weine oder Pulpo: Spaniens kulinarische Traditionen zählen zu den beliebtesten der Welt. Diese Leckereien sollte man entlang der Jakobswege nicht verpassen. ¡Buen provecho!

Hinweis: Der Beitrag «Kulinarik am Camino – Der Jakobsweg für den Gaumen» entstand in Zusammenarbeit mit Turespaña, dem Spanischen Fremdenverkehrsamt.

Pintxos – kunstvolle Häppchen

Pintxos in Pamplona

Wie soll man sie auf Deutsch nennen – diese Pintxos, die kleinen essbaren Kunstwerke aus dem Baskenland? Denn der schlichte Begriff «belegtes Brot» trifft es nur technisch; den Aromenfeuerwerken auf den Geschmacksknospen wird er nicht gerecht. Denn auf knusprigen Brotscheiben, salzigen Tortilla-Chips oder luftigen Reiskeksen schichten sich Charcuterie, Meeresfrüchte, Käsevariationen oder verschiedene Dips – manchmal alles zugleich. Einst genoss man einfache Pintxos zu einem Glas Wein, heute zählen die  pfiffigen zu spaniens Spitzengastronomie.

Geniessen kann man Pintxos entlang der Jakobswege in Pamplona (Navarra) in den Gassen Calle San Nicolás und Calle de la Estafeta, in der Hauptstadt der Region Rioja, Logroño (Calle Laurel) und in den Altstädten von Bilbao und San Sebastian (Baskenland).

Wein – Spaniens flüssiges Gold

Der Jakobsweg für den Gaumen

Selbst in Restaurants am Ende der Welt findet man ihn: Wein aus der Region La Rioja. Tempranillo, Garnacha und Rosado aus dem Ebro-Tal zählen zu den besten Tropfen der Welt – ein Gläschen am Ende eines Camino-Tages ist also ein Muss. Der Camino Francés streift das DOP-Weingebiet, das in den autonomen Regionen La Rioja, Navarra, Burgos und dem Baskenland liegt, für etwa zwei Tage. In dessen Zentrum befindet sich die Stadt Logroño, in der man einige Weingüter und das Weinmuseum besuchen kann – lohnenswert!

Alle spanischen Jakobswege führen durch zertifizierte Weinregionen – so wie das Anbaugebiet El Bierzo am Camino Francés, das international kaum bekannt ist. Zwischen Molinaseca und Villafranca del Bierzo schlängelt sich der Jakobsweg zuweilen durch die Mencía-Reben. Bester Spot zum Degustieren des Rotweins: die Weinkeller im Ort Cacabelos.

Ebenfalls kaum bekannt ist das Weinbaugebiet Bizkaiko Txakolina in der Nähe von Bilbao am Camino del Norte im Baskenland. Im feucht-kühlen Atlantikklima werden mineralische Weissweine der autochthonen Sorte Hondarrabi Zuri angebaut. Berühmt ist der junge Txakoli-Wein, der sich gut als Aperitif eignet.

Sopa Castellana – Soulfood für hungrige Pilger

Sopa Castelana

Die Sopa Castellana ist eine Knoblauchsuppe aus der Hochebene Meseta. Hauptzutat ist altes Brot, dazu kommen Eier, Chorizo und viele – sehr viele – Knoblauchzehen. Was einst den Landarbeitern die Bäuche (und sicherlich auch die Seelen) wärmte, wird auch heute noch in vielen Restaurants und Bars angeboten – probieren sollte man die kräftige Suppe unbedingt. Zudem ist die Sopa Castellana ein beliebtes Pilgeressen in den Donativo-Herbergen, wo man gemeinsam zu Abend isst.

Jamón Ibérico de Bellota – hauchdünne Versuchung

Jamon Iberico Jakobsweg

Sie sind herzig, die schwarzen Ibérico-Schweine, wie sie durch schier endlose Eichenhaine der Extremadura ziehen und heruntergefallene Eicheln knacken – und manchmal begrüssen sie neugierige Pilger am Zaun. Durch die artgerechte Haltung in den Dehesas, den Eichenweiden, entwickelt ihr Fleisch einen aussergewöhnlich nussigen, charakteristischen Geschmack. Kein Wunder, dass luftgetrockneter spanischer Schinken als einer der besten der Welt gilt. Serrano-Schinken (vom Hausschwein) und Ibérico-Schinken gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen; die Krönung ist der Jamón Ibérico de Bellota von schwarzen Schweinen, die sich vor allem von Eicheln (bellotas) ernähren. 

Wo probieren? Der Ort Monesterio an der Vía de la Plata gilt als Hochburg der Schinkenmanufakturen – exzellente Tapas mit Jamón findet man jedoch in fast jeder spanischen Bar.

Die autonome Region Extremadura zählt zu den versteckten Juwelen Spaniens. Zu Unrecht, denn das Gebiet, annähernd so gross wie die Schweiz, verführt mit unberührte Natur, klaren Süsswasserstränden und historischen Highlights. Entlang der Vía de la Plata liegen gleich zwei UNESCO-Welterbestätten: die Städte Mérida – dessen römische Ruinen zu den eindrücklichsten Spaniens zählen – und Cáceres mit einer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Altstadt.

Fabada Asturiana – deftig, sättigend, lecker

Fabada Asturiana  Bohneneintopf Spanien

Man nehme weisse Bohnen, Chorizo, Blutwurst, Schweinebauch, geräuchertes Paprikapulver und lasse das Ganze zwei Stunden lang köcheln. Fertig ist eines der schmackhaftesten Gerichte Nordspaniens: die Fabada Asturiana aus Asturien – die perfekte Stärkung nach einem Tag auf dem hügeligen Camino del Norte. Dazu passt ein asturischer Apfelwein, der aus Schulterhöhe eingeschenkt wird (ein herrliches Schauspiel), damit sich Sauerstoff untermischt, was den Sidra Asturiana seine wunderbare Spritzigkeit verleiht.

Paella – das Nationalgericht

Paella valenciana Kulinarik am Jakobsweg

Gewusst? Das spanische Nationalgericht, die Paella, stammt ursprünglich aus der Region Valencia, wo seit jeher Reis angebaut wurde. Für eine kräftigende «comida», das Mittagessen, stellten die Bauern eine breite Pfanne (eine Paella) aufs Feuer, gaben Wasser und Reis hinzu und was man auftreiben konnte: Huhn, Kaninchen, manchmal Schnecken oder – lange ist es her – sogar Wühlmäuse. Die Nagetiere sind mittlerweile aus den Reispfannen verschwunden, das Rezept für die Paella hat sich ansonsten seit anno dazumal nicht verändert – mit einer Variation. 

Denn während man der ursprünglichen Paella Valenciana ausnahmslos Fleisch zugab, kam im 20. Jahrhundert die heute gängige Variante mit Meeresfrüchten und Huhn in Mode. Paellas werden mittlerweile in ganz Spanien angeboten, doch keine reicht an das Original von Valencia heran – das zumindest behaupten die Valencianos. Ob sie recht haben? Die beste Paella gibt es immer noch an ihrem Geburtsort Valencia, dem Startpunkt des Camino de Levante, dem «Jakobsweg aus dem Osten», der nach etwa 850 Kilometern in der Stadt Zamora in die Vía de la Plata mündet. Der Levante kommt zudem an zwei der bedeutendsten (und schönsten!) Städte Spaniens vorbei: Toledo und Ávila, beide UNESCO-Welterbe.

Tipp: Eine Fideuà ist eine Paella mit kleinen Nudeln anstatt Reis. Auch sehr lecker.

Meeresfrüchte in allen Variationen in Galicien

Pulpo in Galicien

Die autonome Region Galicien ist bekannt für ihre Meeresfrüchte (mariscos). Deren Zucht hat hier eine lange Tradition. Galicien gilt als eines der besten Zuchtgebiete für Miesmuscheln und Austern – und zählt zu den grössten Produzenten weltweit.

Das galicische Nationalgericht ist der «Pulpo a feira» – gekochter Oktopus, serviert mit Paprikapulver und Olivenöl auf einem Holzbrett. Beim «Pulpo a la brasa» wird der gekochte Oktopus noch kurz gegrillt. Beide Varianten sind lecker. Für Meeresfrüchte-Neulinge ist Pulpo allerdings gewöhnungsbedürftig – probieren sollte man ihn dennoch. Kultig sind die Pulperías, die sich auf Oktopus spezialisiert haben. Die besten findet man in Santiago de Compostela, aber auch in Melide am Camino Francés, wo zwei Spezialitätenrestaurants direkt am Jakobsweg liegen.

Auch zu empfehlen: «Vieira» oder die kleineren «Zamburiñas» sind köstliche Jakobsmuscheln.

Weitere Informationen zu spanischen Leckereien unter spain.info

Fotos: Shutterstock

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